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Liebe Gemeinde,



diese Zeilen entstehen am Abend, nachdem Bayern den Katastrophenfall ausgerufen hat.

Vieles hat sich in den letzten sieben Tagen verändert; und noch mehr wird sich verändert haben, bis dieser Gemeindebrief gedruckt wird. Gottesdienste und andere Zusammenkünfte sind mittlerweile untersagt, und nur weil die Maßnahmen vorerst bis 19. April gelten, wird das Leben danach bestimmt noch nicht seinen gewohnten Gang gehen.

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm hat den Text, der am 15. März in den Kirchen verlesen werden sollte, begonnen mit den Worten:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.„ (1. Timotheusbrief 17)

Das beschreibt sehr gut die Haltung, die wir jetzt einnehmen sollten. Es beantwortet allerdings nicht die Frage, inwieweit Gott für all das Leid, das Menschen jetzt betrifft und noch betreffen wird, verantwortlich gemacht werden kann. Und auch diese Andacht wird Ihnen diese Antwort schuldig
bleiben. Ich weiß es einfach nicht.

Sicher bin ich mir dafür in einer anderen Frage: Wenn wir schon am Medizinischen nichts ändern können – wie kommen wir dann möglichst gut durch solche Zeiten?
Der Monatsspruch für Mai gibt dafür einen wichtigen Hinweis: „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!„ (1. Petrusbrief 4,10)

Selbst wenn wir derzeit soziale Kontakte vermeiden sollen, braucht es Zusammenhalt. Dazu passt es, für den Nachbarn, der zur Risikogruppe gehört, einzukaufen. Dazu passt es, am Telefon nicht genervt zu sein, wenn sich jemand seinen Frust oder sein Leid von der Seele reden will. Dazu passt es, nicht nur auf uns selbst zu schauen, sondern die anderen im Blick zu behalten. Und nicht zuletzt passt dazu, uns gegenseitig Mut zu machen und wo nötig Trost zu spenden – und sei es nur mit einem freundlichen und aufmunternden Lächeln über den Gartenzaun.

Schwierig werden die nächsten Wochen und vielleicht sogar Monate so oder so sein; wenn wir allerdings unter uns Gottes Gnade „verwalten„, uns so einbringen, wie wir können, hat der „Geist der Furcht„ viel weniger Chancen. Und vielleicht gehen wir trotz allen Leids als gestärkte Gemeinschaft aus der Krise hervor.

Dazu helfe uns Gott, mache uns stark im Gebet und erhöre uns.

Daniel Lischewski, Pfr.