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Angedacht


Liebe Gemeinde,

hinter der Burghaslacher Kirche sollte es sie geben. Aber ich hatte nie eines gesehen.
„Wo?„
„Da.„
„Wo?„
„Na da!„
„Wo denn?„
„Na daa! Bist du denn blind?„
Mir fehlte wirklich der Blick für das eine vierblättrige Kleeblatt unter den vielen anderen – vielleicht ja einfach, weil ich nichts darauf gebe, dass es angeblich Glück bringen soll. Aber immerhin konnte jemand anderes darauf deuten und es mir zeigen. Ich ließ es trotzdem stehen.
Der Monatsspruch für Januar hat scheinbar mit dieser kleinen normalen Begeben-heit nichts zu tun: „Jesus Christus spricht: Kommt und seht!„ (Joh 139) Zwei Jünger haben von Johannes dem Täufer gehört, dass Jesus der Messias, also der Sohn Gottes ist. Jetzt wollen sie wissen, wo er wohnt. Jesus nimmt sie mit und zeigt ihnen eine bestimmt recht einfache Be-hausung. In den nächsten Tagen bringen sie Freunde und Verwandte zu Jesus – die ersten Jünger Jesu.
Schön einfach wäre es, wenn wir das
heute noch so machen könnten:
„Wo wohnt Gott?„
„Na da!„
Und dann könnte Jesus selbst ihnen von Gottes Gnade und Wahrheit erzählen … und die Welt, da bin ich überzeugt, würde sich verändern.
Aber so einfach haben wir es nicht? Ich glaube, wir haben es noch viel einfacher: Denn wenn Menschen in der Flut schreien oder vor ihrer zerstörten Existenz, wenn sie auf den Covid-Stationen leiden und arbeiten bis zum Umfallen, wenn die alte Frau nicht mehr weiß, wie sie zur Tafel kommen soll, um sich Essen zu besor-gen – dann ist Gott da, wohnt mitten unter uns.
„Wo?„
„Da.„
„Wo?„
„Na da!„
„Wo denn?„
„Na daa! Bist du denn blind?„
Nein, blind dürfen wir nicht werden. „Kommt und seht!„ Und dann wohnt Gott mitten unter uns, und die Welt wird sich, da bin ich überzeugt, verändern.

Daniel Lischewski, Pfr.