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Zum Nachdenken...



Liebe Gemeinde,

„Das geht schief!„ Wenn sein Sohn zur Führerscheinprüfung antritt, seine Tochter sich nach der Meisterprüfung als Schneiderin selbstständig macht, ja, selbst wenn seine Frau ein neues Rezept ausprobiert – „Das geht schief!„. Der Mann, den ich vor mir habe, ist verbittert und quält seine Umwelt mit seiner ständig miesen Laune. Als ich ihn darauf anspreche, sagt er zu mir: „Natürlich bin ich Pessimist. Dann kann ich immer nur positiv überrascht werden, nie negativ. Das habe ich in meinem Leben gelernt.„ Was für eine bittere Bilanz…

„Du schaffst das!„ Die Mutter hat durchaus Angst, als der Vierjährige auf dem Klettergerüst bis nach ganz oben will. Aber sie ist sich sicher: Ich darf das jetzt nicht zeigen. Sonst traut er sich später wichtige Sachen auch nicht. So steht sie also unten – bangend und hoffend zugleich. Als der Kleine wieder unten ist, strahlt er von einem Ohr bis zum anderen, und sie weiß: Das war wichtig.

„Manchmal geht das schief; aber ihr schafft das!„ Der Hebräerbrief, aus dem der Monatsspruch für Mai stammt, macht Mut. Selbst wenn es nicht immer leicht ist, am Glauben festzuhalten, geht der Schreiber des Briefes davon aus: Seine Leser bekommen das hin. Denn Gott hat ja versprochen, dass sie zu ihm gehören werden wie Kinder zu einem Vater. Weil Gott aber seine Versprechen immer hält, ist Hoffnung eine christliche Grundhaltung: „Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.„ (Hebräerbrief 6,19)
Was bei dem Pessimisten und der Mutter noch gut nachvollziehbar ist, findet sich in der Gesellschaft immer seltener. Jeder Schritt in der Politik wird misstrauisch beäugt und verbal zerlegt. Die Zukunft wird in den düstersten Farben gemalt, und Veränderungen, um sie zu retten, schlechtgeredet. Das zeigen Wahlplakate und politische Debatten, das
zeigen Stammtischreden und das Gespräch mit dem Nachbarn. Sicher braucht es kritisches Hinterfragen; aber ob in Politik oder Kirche, ob im Freundeskreis oder der Familie – nirgendwo sollte es uns die Freude der Osterbotschaft und die große Hoffnung, die in ihr steckt, nehmen. Denn die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele. Wenn wir sie verlieren, können wir uns sicher sein: Das geht schief. Wo wir sie aber behalten, werden wir sehen: Wir schaffen das!

Ihr Pfarrer

Daniel Lischewski