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Angedacht


Liebe Gemeinde,

ein Wanderer rutscht auf einem schmalen Weg neben einer Schlucht ab. Er kann sich gerade noch an einem kleinen Baum festhalten, der direkt am Rand des Abgrunds steht.

Jetzt schwebt er über dem Abgrund. In seiner Not spricht, obwohl er mit Glauben nichts anfangen kann, ein Stoßgebet: „Wenn es dich gibt, Gott, dann rette mich!“ Wider Erwarten erhält er eine Antwort: „Gut, ich fange dich auf. Du musst nur die Wurzel loslassen!“ – „Die Wurzel loslassen? Ich bin doch nicht verrückt!“

Was im ersten Augenblick ein Nicken oder auch ein Schmunzeln hervorruft, zeigt für manche Menschen viel von ihrer Realität: Vertrauen ist ja gut und schön; aber selbst die Kontrolle zu behalten, ist halt doch besser. Und oft stimmt das auch: Keinerlei Versicherungen abzuschließen, weil Gott gebeten wird, dass nichts Schlimmes passiert, wird irgendwann schiefgehen. Alle Warnungen von Virologen in den Wind zu schlagen, weil Gott ja auf uns aufpasst, wird die Pandemie noch weiter hinauszögern.

Und doch gibt es Zeiten, wo nur noch Beten hilft. Der König Hiskia in Jerusalem
am Ende des 8. Jahrhunderts vor Christus weiß das auch: Als vor der Stadt feindliche assyrische Truppen lagern, betet er zu Gott:
„Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“(2. Könige 1916, Monatsspruch für August)
Gott soll die Not Hiskias wahrnehmen.; und er selbst tut dann natürlich alles ihm Mögliche, um die Stadt zu schützen.

Entscheidend ist nicht, dass Historiker heute noch rätseln, warum die Stadt trotz der Übermacht der Assyrer von diesen nicht eingenommen wurde; viel
wichtiger ist, dass Hiskia Gott vertraut und alle ihm gegebenen Gaben einsetzt, um sein Gebetsanliegen zu unterstützen.

Auch jetzt, in der Corona-Zeit ist beides wichtig:
Gottvertrauen und Gebet – und das Nutzen unseres gesunden Menschen-verstands. Denn damit können wir es vielleicht schaffen, eine vierte Welle zu verhindern und unsere Freiheiten zu bewahren.

Nehmen wir uns Hiskia statt des Wanderers als Vorbild und bleiben gesund, statt verrückt zu sein…

Daniel Lischewski, Pfr.