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Liebe Gemeinde,


„Wo kann man denn hier gut essen?„ Zwei-, dreimal im Jahr wird mir hier von Fremden diese Frage gestellt.

Und dann zähle ich auf, welche Gasthäuser es hier und in der näheren Umgebung gibt; denn abraten kann ich von keinem, gehe normalerweise in jedes gern. Aber eben nur normalerweise, weil es ja jetzt, wo ich das schreibe, gar nicht geht.

Nicht oft, aber manchmal eben schon kommt mir in dieser Pandemie die Frage nach Gott: Warum lässt er zu, dass Menschen in dieser Form leiden – leiden sogar dann, wenn sie nicht erkrankt sind? Ich glaube nicht, dass das Virus eine Strafe Gottes ist. Und ich sehe es als normalen Teil der Schöpfung, weil sie eben nicht perfekt ist. Trotzdem kommt mir aber eine ganz ähnliche Frage wie den Gästen: „Wo kann man denn hier zur Zeit Gutes finden?„

Die Bibel kennt diese Frage. Der Monatsspruch für Januar stellt sie – und liefert eine Art Antwort gleich mit: „Viele sagen: ‚Wer wird uns Gutes sehen lassen?‘ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!„ (Psalm 47) Auch der, der diesen Psalm betet, kennt die schweren Zeiten. Mit seiner Antwort aber zeigt er direkt danach, wie er damit umgeht: Er bringt sein Anliegen vor Gott und betet. Gott, meint er, kann selbst in die schwere Zeit und das Dunkel noch Licht bringen, wenn er sein Angesicht leuchten lässt. Diese Überzeugung begegnet mir jedoch nicht nur in der Bibel: Immer wieder erzählen mir Menschen wie selbstverständlich davon, dass der Glaube durch schwere Zeiten hilft, wie Gebete ihnen Kraft geben und Mut machen.

Vielleicht ist das ein Rezept, um gut durch die Pandemie und andere Dunkelheiten zu kommen: Gott das Leid klagen und gleichzeitig auf seine Begleitung bauen.

Je mehr wir für andere und uns beten und mit menschenfreundlicher Besonnenheit reagieren, desto eher werden wir gestärkt aus dieser Zeit herausgehen und Gutes sehen.

Und irgendwann werden wir die Frage des Psalms nach dem Guten so ähnlich beantworten wie ich die nach dem guten Essen: Ganz egal, wo wir hinschauen und hingehen, wird es da sein.

Daniel Lischewski, Pfr.