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Liebe Gemeinde,


kennen Sie jemand, der an Corona verstorben ist?

Ich gehöre zu den – in Deutschland zum Glück wenigen – die diese Frage mit „ja„ beantworten können. Nein, nicht hier im Ort, und nein, keine Person, mit der mich viel verbunden hat. Aber der Mann, Ende März verstorben, würde ohne Corona wahrscheinlich noch leben.

Nicht zuletzt deswegen verärgern sie mich, die Verschwörungstheorien und Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen. Was übertrieben und was fahrlässig ist, lässt sich zwar nicht beurteilen, aber ein bisschen Vernunft und Realitätssinn sollten wir auch von all den vielen erwarten, die obige Frage (zumindest noch) mit „nein„ beantworten dürfen.

Doch es geht nicht allein um Vernunft und absurde Falschinformationen. Das rücksichtslose Verhalten bei manchen Demonstrationen, in Urlaubsgebieten und bei Veranstaltungen sind zutiefst unchristlich.
Ganz ohne sich Nächstenliebe auf die Fahnen zu schreiben, warnte der Prophet Jeremia schon vor fast 2.600 Jahren: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.„ (Jeremia 297, Monatsspruch für Oktober)

Er spricht zu dem Teil der Einwohner Israels, die aus Ihrer Heimat nach Babylon verschleppt wurden. Es geht ihnen zwar nicht wirklich schlecht; aber sie sehnen sich nach Rückkehr. Daher wäre es nur verständlich, wenn sie sich gegen alle Einheimischen stellen würden. Aber Jeremia macht ihnen klar: Wenn es wegen euch anderen gut geht, wird es euch auch gut gehen – und umgekehrt.

Ich denke, mit den Corona-Maßnahmen ist das ganz ähnlich: Wenn wegen des Verhaltens mancher die Infektionszahlen steigen, betrifft die Pandemie immer mehr Menschen; wo wir uns an Abstands-, Masken- und Hygieneregeln halten, haben wir eine Chance, dass viele gesund bleiben und den wenigen anderen gut geholfen werden kann … damit die meisten die obige Frage weiterhin mit „nein„ beantworten können und nicht antworten müssen: „Ja, mehrere!„
Es liegt also an jeder und jedem einzelnen unter uns: „Suchet Markt Taschendorfs und Gleißenbergs (und aller anderen Orte) Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihnen wohlgeht, so geht's euch auch wohl.„

Daniel Lischewski, Pfr.