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Angedacht


Liebe Gemeinde,



wissen Sie, was Ihr Vorname bedeutet? Eigentlich alle Namen sagen etwas darüber aus, wie die Eltern ihr Kind sehen oder sehen wollen – wenn auch oft der Klang des Namens entscheidender ist.

So haben sich wohl meine Eltern kaum Gedanken darüber gemacht, dass „Daniel„ im Hebräischen bedeutet „Gott ist mein Richter„. Als ich das in meiner Jugend feststellte, war ich zuerst nicht erfreut, bis ich mir gedacht habe: Das kann ja auch bedeuten, dass Gott mein Leben richtet, mich aufrichtet und geraderichtet. Als ich dann Hebräisch lernte, musste ich feststellen: So kann ich das nicht übersetzen; es heißt tatsächlich „Gott ist mein Richter„.

Mit ein wenig Verwunderung habe ich daher den Monatsspruch für August gelesen: „Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten.„ (1. Chronik 16, 33)

Weil Baumsterben und Klimawandel vor gut 2.000 Jahren niemand kannte, ist es schon eigenartig, wenn Bäume vor dem richtenden Gott jubeln. Zwar ist das hebräische Wort hier ein anderes als in meinem Vornamen; die Bedeutung ist aber genauso klar.

Und doch lässt mich das Jubeln der Bäume auch diese zweite Bedeutung in den Blick nehmen: Denn wenn Gott richtet, dann geht es zum einen gerecht zu; zum anderen ist danach wohl alles in Ordnung, aufgerichtet und geradegerichtet. Dann ist die Welt so gut, dass sogar Bäume zu jubeln anfangen – von den Menschen gar nicht erst zu reden.

Allerdings: Warum kommt er denn dann nicht, dieser Gott? Der Ukraine-Krieg und die Drohungen der Türkei gegenüber Griechenland, viele andere Konflikte, die nächste Pandemie-Welle, der Klimawandel und Energie- und Lebensmittelkosten, die manche einfach nicht zahlen können – wäre es da nicht Zeit, dass er kommt? Noch einmal lohnt ein Blick ins Hebräische. Was da steht, kann genauso übersetzt werden mit: „Dann werden die Bäume jubeln…„ Was hier versprochen ist, liegt in der Zukunft. Direkt danach nämlich wird Gott um seine Hilfe gebeten, weil auch damals nicht alles in Ordnung war.

In dieser Zeit der Verheißung leben wir jetzt immer noch, wartend, dass Gott tatsächlich richtend kommt. Und bis dahin ist es an uns, mit Friedensschritten, Solidarität und gegenseitiger Unterstützung etwas von Gottes Aufrichten und Geraderichten zu zeigen und seine Liebe schon jetzt erfahrbar zu machen.

Möge Ihnen und uns allen das gelingen; denn dann kommen wir trotz allem gut durch diesen Sommer … bis eines Tages die Bäume jubeln werden, weil der liebende Gott uns alle im besten Sinne des Wortes „richtet„.

Ihr
Daniel Lischewski, Pfr.