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Angedacht


Liebe Gemeinde,

wir haben kein Haustier, obwohl unsere Kinder gerne Haustiere hätten.

Neben Problemen mit Urlaubsreisen fürchte ich zweierlei: Katzen lassen sich nicht erziehen; und bei Hunden kann in der Erziehung ziemlich viel schief gehen. Ein Hund muss nämlich genau wissen, wer im „Rudel“ über ihm steht.
Das macht die Haustiere sehr menschlich: Auch in der Erziehung von Kindern kann viel schief gehen; und manche lassen sich gar nicht erziehen.

Auffällig finde ich, dass es trotzdem die meisten Menschen versuchen: Sie erziehen ihre Kinder, ihre Mitmenschen und manchmal sogar den Partner beziehungsweise die Partnerin. Und sogar die Bibel versucht es – stellt Normen auf, die aus ihrer Sicht, aus Gottes Sicht ein gutes Leben garantieren. Erziehen kann sie nicht; aber dafür setzt sie ihre Maßstäbe umso absoluter.

Der Monatsspruch für Juni macht das deutlich: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 529)

Es ist zurzeit bei vielen nicht gefragt, sich etwas unterzuordnen und sich erziehen zu lassen. Die sogenannten „Querdenker“ sind nur ein Beispiel unter vielen. Trotzdem (oder gerade deswegen?) wird dieser Erziehungssatz aus der Bibel ausgesucht, um als Motto über dem Monat zu stehen. Gottes Liebes-botschaft wird als wichtiger gesehen als der Hass anderer Menschen und auch der eigene.

Wenn unsere Gesellschaft nach der Corona-Zeit wieder werden soll, wie sie war, dann geht es nur, wenn Gottes Vergeben, seine Barmherzigkeit und seine Menschenliebe das sind, was uns leitet. Da geht es also nicht darum, ob wir uns erziehen lassen und etwas unterordnen, sondern um unsere Überlebens-fähigkeit. Gutes Leben können wir weder mit dem Eigensinn einer Katze noch mit der Unterwürfigkeit eines Hundes erreichen.

Darum will ich gerne Gott mehr gehorchen als den Menschen – um allen Menschen mit dem Besten zu begegnen, das ich habe: Empathie, Mitgefühl und Nächstenliebe. Vielleicht gehört dazu ja irgendwann sogar, ein Haustier anzuschaffen.

Das kann ich mir momentan (zumindest noch) nicht vorstellen. Aber wenn wir alle davon ausgehen, dass Menschen sich ändern können und wir das erleben werden, haben meine Kinder vielleicht eines Tages auch einen Hund oder eine Katze – selbst wenn das mit dem Erziehen schwierig ist…

Daniel Lischewski, Pfr.